Methoden und Techniken der Positiven Psychotherapie

March 15, 202613 min read

Methoden und Techniken der Positiven Psychotherapie


Ein Überblick über Theorie, Modelle und Praxis

Dipl. Psych. Werner Gross



Einleitung und Überblick

Immer häufiger wird in Psychologie und Psychotherapie nicht mehr nur auf die problematischen und krankhaften Seiten des menschlichen Lebens geschaut, sondern die positiven Seiten, die Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten werden mehr und mehr in den Blick genommen und wissenschaftlich untersucht. Damit beschäftigt sich die Positive Psychotherapie (PPT).

Die Positive Psychotherapie (PPT) ist eine integrative, lösungsorientierte Kurzzeitmethode, die mit ihren vielfältigen Techniken den Brückenschlag zwischen der Verhaltenstherapie, den tiefenpsychologischen und den humanistischen Verfahren schafft. So können die PPT-Techniken sowohl in Psychotherapie und Beratung wie auch in Supervision und Coaching eingesetzt werden.

Positive Psychotherapie (PPT)) wird die Ausgestaltung des psychotherapeutischen Vorgehens von Nossrat Peseschkian und Mitarbeitern genannt, das dieser (aus dem Iran stammende Wiesbadener Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin) entwickelt hat und erfolgreich als eigenständige Psychotherapiemethode etablieren konnte. Die Methode gehört zu den humanistisch-psychodynamischen Psychotherapien.

Sie ist mittlerweile in etwa 65 Ländern auf allen sechs Kontinenten vertreten. Seit 1977 werden im Rahmen des Wiesbadener Weiterbildungskreises für Psychotherapie und Familientherapie Ärzte, Psychologen und Pädagogen ausgebildet. In 24 Ländern wird die Methoden an etwa 80 selbständigen Zentren und Instituten in strukturierten Ausbildungsprogrammen gelehrt. Die Methode ist unter der Bezeichnung „Positive und transkulturelle Psychotherapie - PPT nach N. Peseschkian seit 1977“ gesetzlich geschützt („registered“) – und wurde sowohl in den USA wie in Europa als geschützte Marke eingetragen. Die 26 Bücher von Nossrat Peseschkian erleben hohe Auflagen und wurden in bis zu 24 Sprachen übersetzt.

Weltweit vertritt die „World Association for Positive and Transcultural Association“ (Weltverband für Positive und Transkulturelle Psychotherapie = WAPP) die Methode. Im Jahr 2026 hat die WAPP weit über 3000 Mitglieder. Über 180 Basic- und Mastertrainer lehren die Methode in vielen Sprachen. Jedes Jahr schließen ca. 2000 Kandidaten ihre Ausbildung in Positiver Psychotherapie ab.

Die von der WAPP herausgegebene mehrsprachige Zeitschrift „The Global Psychotherapist“ erscheint zweimal jährlich in elektronischer Form, und verfolgt eine Open-Access-Politik, mit dem Ziel den globalen Wissensaustausch zu fördern und den sozialen Fortschritt voranzutreiben.

(Mehr dazu siehe: www.positum.org )


Geschichte und Entstehung

Die Positive Psychotherapie wurde ab 1968 von Nossrat Peseschkian (1933–2010) und Mitarbeitern entwickelt. Peseschkian war Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin in Wiesbaden. Seine persönliche transkulturelle Biografie – geboren im Iran, tätig in Deutschland – prägte den Ansatz wesentlich: Er verknüpfte Weisheiten und intuitive Gedanken des Orients mit psychotherapeutischen Methoden des Westens.

Die Methode integriert Elemente der psychodynamischen Psychotherapie, der humanistischen Psychologie und der Verhaltenstherapie. Sie gilt als humanistische Tiefenpsychologie und ist anerkannt u. a. von der Landesärztekammer Hessen, der Europäischen Gesellschaft für Psychotherapie (EAP), dem World Council for Psychotherapy (WCP) und der International Federation of Psychotherapy (IFP).

Schon 1997 wurde eine Qualitätssicherungsstudie zur PPT in Deutschland abgeschlossen. Die Ergebnisse zeigten schon damals die hohe Wirksamkeit dieser Kurzzeittherapie – die Studie wurde mit dem Richard-Merten-Preis ausgezeichnet. 2006 erhielt Nossrat Peseschkian das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Bisherige Weltkongresse fanden ca. alle 3 – 4 Jahre statt: In St. Petersburg/Russland (1997), Wiesbaden/Deutschland (2000), Varna/Bulgarien (2003), Famagusta/Zypern (2007), Istanbul/Türkei (2010+ 2024) und Kemer/Antalya/Türkei (2014 + 2019), Budva/Montenegro (2026).


Positum – Was bedeutet »Positiv«?

Der Begriff »positiv« stammt vom lateinischen »positum« – wörtlich: das Gegebene, d. h. das Tatsächliche, das Vorhandene. »Positiv« meint hier ausdrücklich nicht, dass alles gut ist. Vielmehr geht es darum, existierende Qualitäten und Ressourcen des Menschen zu erkennen und nutzbar zu machen – sowie Qualitäten, die entwickelt werden können, und Herausforderungen als Wachstumspotenziale zu verstehen.

Kernaussage:»Der Mensch ist ein Bergwerk voller Edelsteine.« – Die Therapie zielt nicht primär darauf, eine bestehende Störung zu beseitigen, sondern versucht, die vorhandenen Fähigkeiten und Selbsthilfepotenziale zu mobilisieren. Störungen und Krankheiten werden als Fähigkeiten gesehen, um auf Konflikte zu reagieren.

Der Mensch wird als Ganzes betrachtet – Pathogenese und Salutogenese gleichermaßen. Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf Störungen, sondern auf den ggf. durch Krankheit verschütteten Fähigkeiten und Ressourcen, die ein Mensch mitbringt. Die PPT basiert auf einem positiven Menschenbild: »In seinem Kern ist der Mensch gut.«


PPT und Positive Psychologie – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Häufig werden Positive Psychotherapie und Positive Psychologie verwechselt oder gleichgesetzt. Der Begriff »Positive Psychologie« wurde 1954 von Abraham Maslow eingeführt und in den 1990er Jahren vom US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman wieder aufgegriffen. Beide Ansätze betonen positive, ressourcen-, lösungs- und wachstumsorientierte Perspektiven – es gibt jedoch wesentliche Unterschiede.

Abbildung 1: Positive Psychotherapie (PPT) und Positive Psychologie (PP)

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Ursprünge, Methoden und Praxisfelder der PPT

Positive Psychotherapie hat eine Vielzahl von Ursachen und Methoden im Hintergrund. Außerdem verknüpft es viele Sichtweisen und wird in vielen Praxisfeldern angewandt. Siehe hierzu folgendes Schaubild:

Abbildung 2:

Ursprünge, Methoden und Praxisfelder der Positiven Psychotherapie

Menschenbild der Positiven Psychotherapie

Das Menschenbild der PPT hat viele Ähnlichkeiten mit dem der humanistischen Psychologie. Im Gegensatz zum Triebdeterminismus der klassischen Psychoanalyse oder dem Bild einer »menschlichen Maschine« in der klassischen Verhaltenstherapie gilt der Mensch in der PPT als in seinem Kern als grundsätzlich gut und gesund. Es sind vor allem Umwelteinflüsse (traumatische und/oder dramatische Erlebnisse, Erziehung, Kultur), die ihn in Krisen stürzen und mitunter „böse und schlecht“ machen.

Die PPT stellt die individuelle Entwicklung des Menschen in den kulturellen Kontext der Globalisierung: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit entsteht eine globale, vernetzte Gesellschaft, deren Hauptmerkmal ihre kulturelle Vielfalt ist. Dies erfordert ein Umdenken – von einer monokulturellen und monoätiologischen Betrachtungsweise hin zu einer multikulturellen und multiätiologischen.

Peseschkian begreift den Menschen nicht als isoliertes Einzelwesen, sondern berücksichtigt seine zwischenmenschlichen Beziehungen und seine »transkulturelle« Situation:

» Eigene Erfahrungen sind teuer, fremde Erfahrungen sind kostbar «. Der Mensch ist von seiner Herkunft, der Familie, der Kultur und deren Traditionen geprägt.

Grundsätze

In der positiven Psychotherapie spielen folgende Grundsätze eine wichtige Rolle:

  • Die drei Säulen

  • Grund- und Aktualfähigkeiten

  • Das Konfliktmodell

  • Makro- und Mikrotraumen

  • Das Balance-Modell

  • Das inhaltliche Vorgehen

  • Die fünfstufige Therapie und Selbsthilfe

  • Positive Interpretation

  • Die Bedeutung von Geschichten, Märchen und Spruchweisheiten

  • Der transkulturelle Ansatz

  • Diagnose Instrumente: WIPPF, DAI

Die drei Säulen

Abbildung 3: Die drei Säulen

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Ø Das Prinzip der Hoffnung besagt, dass man nicht sofort und schnell versucht, eine Störung zu beseitigen, sondern versucht sie zunächst in ihrem Kontext zu verstehen.

Ø Das Prinzip der Balance befasst sich mit Konfliktdynamik und den vier Qualitäten des Lebens.

Ø Das Prinzip der Beratung umfasst die fünf Stufen der Therapie und Selbsthilfe.


Grund- und Aktualfähigkeiten

Die positive Psychotherapie unterscheidet zwischen Grundfähigkeiten und Aktualfähigkeiten. Grundfähigkeiten bilden das Fähigkeitspotenzial, das jeder Mensch - unabhängig von seiner körperlichen und seiner seelischen Gesundheit sowie seiner sozialen Situation - besitzt. Sie sind die Basis menschlicher Beziehungen – also die Bereiche, in denen Menschen trotz aller individuellen und kulturellen Unterschiede Gemeinsamkeiten finden können.

Abbildung 4: Die zwei Grundfähigkeiten

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Aktualfähigkeiten sind psychosoziale Normen, deren Vermittler die Familie ist. Sie geben den Familienmitgliedern die Spielregeln ihres Zusammenlebens, sind Entwicklungsdimensionen und werden im täglichen Leben auf verschiedene Weise aktuell angesprochen. Ihre Ausprägung wird durch Umwelteinflüsse gefördert oder unterdrückt.

Abbildung 5: Aktualfähigkeiten (im DAI)

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Die Grundfähigkeiten Liebes- und Erkenntnisfähigkeit eines Menschen differenzieren sich aus und zeigen sich in seinen Aktualfähigkeiten. Sie gehören dann zur einzigartigen Struktur des Wesens eines jeden Menschen. Gestörte Aktualfähigkeiten – z. B. ritualisierte Sauberkeit – können zu sozialen Konflikten und zu psychischen und psychosozialen Problemen wie Ängsten oder Depressionen führen. Der transkulturelle Aspekt zeigt sich z. B. in der unterschiedlichen Bewertung von »Pünktlichkeit« oder »Zeit« in verschiedenen Kulturen.


Konfliktmodell: Aktualkonflikt, Grundkonflikt, Innerer Konflikt

Die PPT unterscheidet drei Konfliktebenen, die aufeinander aufbauen und sich wechselseitig beeinflussen. Diese Unterscheidung ist zentral für das Verständnis der Entstehung psychischer und psychosomatischer Störungen.

Abbildung 6: Konflikte

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Mikro- und Makrotraumen

Abbildung 7: Mikro-und Makrotraumen

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Mikrotraumen sind im therapeutischen Alltag von besonderer Bedeutung, weil sie oft unbemerkt bleiben, sich aber akkumulieren und schließlich den ruhenden Grundkonflikt reaktivieren. Das bekannte Bild »Das Loch in der Straße« veranschaulicht anschaulich, wie Menschen zunächst immer wieder in dieselbe Falle tappen – und wie therapeutische Arbeit schrittweise zu Bewusstsein, Verantwortung und schließlich zu einem anderen Weg führt.

Abbildung 8: Das Loch in der Straße

Loch in der Straße Positive PPT

Das Balance-Modell

Das Balancemodell ist eines der zentralen diagnostischen und therapeutischen Werkzeuge der PPT. Es beschreibt vier Bereiche der Energieverteilung und Konfliktreaktion, in denen sich das menschliche Leben abspielt. Trotz kultureller und sozialer Unterschiede und der Einzigartigkeit jedes Menschen kann man beobachten, dass alle Menschen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu
typischen Formen der Konfliktverarbeitung greifen.

Abbildung 9: Balance-Modell

Das Balance-Modell

Erstrebenswert ist ein Zustand gesunder Balance und Ausgeglichenheit. Viele Menschen sind allerdings aus der Balance geraten und investieren ungleich viel Lebensenergie in die vier Bereiche. Daraus entstehen bevorzugte Bereiche der Konfliktverarbeitung: körperorientierte, leistungsorientierte, beziehungsorientierte oder fantasieorientierte Modi. Es gibt gravierende interindividuelle und interkulturelle Unterschiede.

Die acht Modi der Konfliktverarbeitung

Abbildung 10: Die acht Modi der Konfliktverarbeitung

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In der westlichen Hemisphäre liegen die Schwerpunkte oft mehr auf den Bereichen Körper/Sinne und Beruf/Leistung. Im Orient dagegen sind die Schwerpunkte in den Bereichen Kontakt, Fantasie und Zukunft zu finden. Hier zeigt sich auch der transkulturelle Aspekt der PPT. Kontaktarmut und Fantasielosigkeit sind Gründe für viele psychosomatische Krankheiten.

Diagnostische Fragen für die vier Bereiche:

Abbildung 11: Beispielhafte Fragen

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Die drei Interaktionsstadien

Die drei Interaktionsstadien sind in jedem Konflikt und in jeder Begegnung zu beobachten – sie sind so alltäglich wie »Guten Tag – Wie geht's? – Auf Wiedersehen«. Sie strukturieren das zwischenmenschliche Zusammenleben ebenso wie den therapeutischen Prozess.

Abbildung 12: Die drei Interaktionsstadien

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Die drei Stadien der Interaktion finden ihre Entsprechung auch in den verschiedenen methodischen Ansätzen und im Verlauf der Therapie: Verbundenheit entspricht im positiven Ansatz dem Aufbau therapeutischer Beziehung; Differenzierung entspricht dem inhaltlichen Vorgehen mit den vier Lebensbereichen im Balance-Modell; Ablösung entspricht dem strategischen Vorgehen hin zu Selbsthilfe und Autonomie

(Quelle: Peseschkian & Remmers, 2013).


Die 5-stufige Behandlungsstrategie

Die fünf Stufen stellen das Konzept dar, innerhalb dessen Therapie und Selbsthilfe eng aufeinander bezogen sind. Der Patient und seine Angehörigen werden gemeinsam über seine Krankheit und individuelle Auswege informiert. Gemäß dem orientalischen Spruch gilt: »Das Glück kann man nur festhalten, wenn man es weitergibt.«

Wichtig : Bitte diese fünf Stufen als Orientierungsrahmen für eine Therapiesitzung ansehen, aber nicht schematisch damit zu arbeiten, sondern immer individualisiert mit dem Patienten zu arbeiten und sich daran orientieren, was dem Patienten wichtig ist und wohin er führt.

Abbildung 13:

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Positive Interpretation von Symptomen

Ein zentrales Merkmal der PPT ist die positive Umdeutung (Reframing) von Krankheitssymptomen. Störungen werden nicht primär als Defizite betrachtet, sondern als Fähigkeiten, auf Konflikte zu reagieren. Durch dieses Vorgehen geschieht ein innerer Standortwechsel – nicht nur des Klienten, sondern auch seines Umfelds. Erkrankungen haben somit eine symbolische Funktion, die Therapeut und Patient zunächst gemeinsam erkennen müssen.

Allerdings - Vorsicht! Das Reframing ist wie ein scharfes Gewürz. Man sollte es behutsam einsetzen. Es muss zu der Situation und zu dem Patienten passen, damit dieser sich mit seinen Problemen ernst genommen (oder gar „verarscht“) fühlt, es nicht als einen Angriff oder eine Verballhornung seiner Symptome erlebt.

Abbildung 14: Beispiele

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Noch mal: Diese Umdeutungen sind keine Verharmlosung von Störungen, sondern therapeutische Techniken, die dem Patienten einen neuen Zugang zu seinen Ressourcen ermöglichen. Sie schaffen Raum für Hoffnung und Veränderung, ohne Illusionen zu wecken.


Die Bedeutung von Geschichten, Parabeln und Spruchweisheiten

Geschichten, Parabeln, Gleichnisse und Spruchweisheiten sind in der PPT weit mehr als schmückendes Beiwerk – sie sind methodische Werkzeuge. Sie werden als Mediator zwischen Therapeut und Patient eingesetzt und erfüllen eine Reihe wichtiger Funktionen:

  • Sie bilden Normen ab, stellen diese aber auch oft durch Überspitzung in Frage

  • Sie sind ein Mittel für den gedanklichen und emotionalen Standortwechsel

  • Ihre Spiegelfunktion lädt zur Identifikation ein

  • Sie sind Mediatoren zur Veränderung

  • Sie dienen als transkulturelle Vermittler

  • Sie sind Assoziationshilfen, die zum tiefer liegenden (eventuell unbewussten) Kern führen

  • Sie fungieren als Gedächtnisstützen und erleichtern einen Perspektivwechsel

  • Sie helfen, sich von alten, bekannten Denkmustern zu lösen

  • Sie wirken ermutigend für den Gebrauch der eigenen Fantasie

  • Sie helfen, Vorurteile und Ressentiments abzubauen

  • Sie tragen zu einer Veränderung des Bewusstseins bei

Abbildung 15: Wahrheit und Parabel

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Der transkulturelle Ansatz

Der transkulturelle Ansatz ist der rote Faden der gesamten Positiven Psychotherapie und durchzieht alle ihre Bereiche. Er betont die Relativität bestehender kultureller und gesellschaftlicher Normen: Was in einer Kultur sehr geschätzt und wichtig ist, gilt in einer anderen Kultur eventuell als unwichtig oder gar unhöflich.

Durch die metatheoretische Umdeutung werden selbstverständliche Maßstäbe, mit denen Klienten Sachverhalte beurteilen, durchlässig – dies ermöglicht Distanzierung zu eigenen Konzepten und Verhaltensgewohnheiten. Der transkulturelle Ansatz kann die Bereitschaft des Klienten unterstützen, alternative Lösungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Abbildung 16: Tabelle: Kulturelle Unterschiede West – Ost (Beispiele)

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Anwendungsbereiche des transkulturellen Ansatzes sind u. a.: Flüchtlingsproblematik, Gastarbeiterprobleme, Probleme der Entwicklungshilfe, Probleme transkultureller Ehen sowie Vorurteile und ihre Bewältigung. Durch Relativierung der eigenen Wertehaltung können Vorurteile abgebaut und Kommunikationsblockaden gelöst werden.


Diagnose- und Testverfahren: WIPPF und DAI

Die PPT verfügt über zwei standardisierte diagnostische Instrumente, die die zugrundeliegende Psychodynamik auf leicht verständliche Weise abbilden und für den therapeutischen Prozess nutzbar machen.

WIPPF – Wiesbadener Inventar zur Positiven Psychotherapie und Familientherapie

·Seit 1987 im deutschen Sprachraum eingesetzt; seit 1992 auch in Russland, Bulgarien, Bolivien, Türkei u. a. in der jeweiligen Landessprache

·Aktuell verschiedene sprachlich und kulturell angepasste Versionen WIPPF 2.0 mit 87 Fragen auf einer vierstufigen Skala

·Erfasst werden: Selbsteinschätzung von primären und sekundären Fähigkeiten, Konfliktinhalten, Konfliktreaktionen und erlebten Vorbildern

·Es gibt auch eine WIPPF-Version für Beziehungs- und Arbeitspartner der Patienten

·Im Mittelpunkt steht, zu erkennen, warum einzelne Verhaltensweisen oder Aktualfähigkeiten betont werden – nicht die Pathologie

·Durch Selbst- und fremdausgefüllte Versionen werden Konfliktpotenziale erkennbar

DAI – Differenzierungsanalytisches Inventar

Das DAI ist ein weiteres diagnostisches Instrument der PPT, das die inhaltliche Differenzierung von Konfliktfeldern anhand der Aktualfähigkeiten ermöglicht. Es ergänzt das WIPPF und liefert differenzierte Informationen über die Konfliktinhalte und -reaktionen des Patienten.

Abbildung 17: Differenzierungsanalytisches Inventar (DAI)

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Anwendungsbereiche

PPT-Techniken können vielfältig eingesetzt werden. Durch ihre integrative Ausrichtung – Brückenschlag zwischen Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischen und humanistischen Verfahren – ist die PPT in unterschiedlichen Kontexten anwendbar.

Abbildung 18: Anwendungsbereiche

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Literatur

-Peseschkian, H. & Remmers, A. (2013). Positive Psychotherapie. München: Reinhardt.

-Peseschkian, N. (1974). Psychotherapie des Alltagslebens. Frankfurt a. M.: S. Fischer.

-Peseschkian, N. (1977). Positive Psychotherapie. Frankfurt a. M.: S. Fischer.

-Peseschkian, N. (1980). Positive Familientherapie. Frankfurt a. M.: S. Fischer.

-Peseschkian, N. (2005). Psychosomatik und Positive Psychotherapie. 8. Aufl. Frankfurt a. M.: S. Fischer.

-Peseschkian, N. (2005). Der nackte Kaiser. 2. Aufl. Frankfurt a. M.: S. Fischer.

-Peseschkian, N. (2005). Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast… 14. Aufl. Freiburg: Herder.

-Peseschkian, N. (2008). Glaube an Gott und binde dein Kamel fest. Stuttgart: Kreuz.

-Peseschkian, N. Der Kaufmann und der Papagei. 30. Aufl. Frankfurt a. M.: S. Fischer.

-Messias, E., Peseschkian, H. & Cagande, C. (2020). Positive Psychiatry, Psychotherapy and Psychology. Berlin: Springer.

-Gross, W. (2022). Nossrat Peseschkian – Tod im Schlaf. In: Wie man lebt, so stirbt man. Berlin: Springer.

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Dipl.-Psych. Werner Gross ist Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor, Coach, Dozent und Lehrtherapeut, Unternehmensberater sowie Buchautor. Er leitet seit vielen Jahren eine psychologische Praxis in Gelnhausen und führt seit über 30 Jahren Existenzgründungsseminare für Psychotherapeut:innen durch. Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Psychotherapie-Ausbildungsinstituten.

Werner Gross

Dipl.-Psych. Werner Gross ist Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor, Coach, Dozent und Lehrtherapeut, Unternehmensberater sowie Buchautor. Er leitet seit vielen Jahren eine psychologische Praxis in Gelnhausen und führt seit über 30 Jahren Existenzgründungsseminare für Psychotherapeut:innen durch. Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Psychotherapie-Ausbildungsinstituten.

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